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Was Erstwähler wollen

Veröffentlicht in Presseecho

aus Waiblinger Kreiszeitung v. 7.5.14:

Wählerisch: Jugendliche schimpfen über Bus und Bahn / Veranstaltung zu „Wählen ab 16“ mit Ministerin Altpeter

Waiblingen. „Schreibt das auf, was euch stinkt.“

 

Dieser Aufforderung sind am Montagabend rund 30 Jugendliche gefolgt. Bei einer Veranstaltung zum Thema „Wählen ab 16“ im BBW konnten sie ihre Fragen und Wünsche zur Politik äußern und bei Sozialministerin Katrin Altpeter so richtig Dampf ablassen.


Die zunächst blütenweißen Tischdecken im Freizeitraum des Berufsbildungswerks haben sich schnell in ein Farbenmeer bunter Kritzeleien verwandelt. Mit Filzstiften notieren die Erstwähler alles, was ihnen auf dem Herzen liegt. Die 16-jährige Jenny aus Waiblingen wünscht sich zum Beispiel mehr Nachtbusverbindungen. Mit dem Taxi zu fahren, sei für Schüler zu teuer. Die Strecken zu laufen, die von den Bussen nicht angefahren werden, findet sie allein zu gefährlich. Außerdem sollten ihrer Meinung nach günstigere Tickets für Schüler angeboten werden. „Die Fahrkarten sind einfach viel zu teuer.“
Mit diesen Wünschen ist sie nicht allein. An allen Tischen wird über den ÖPNV diskutiert. Zu wenig, zu teuer, zu unpünktlich – das ist die vorherrschende Meinung. An jedem Tisch sitzt ein Moderator der Jusos, die Veranstalter des Abends, und hilft den Jugendlichen, ihre Wünsche, Fragen, Probleme zu formulieren. Auch einige Lehrkräfte und Betreuer des BBW sind dabei und diskutieren mit den Jugendlichen.

Sozialministerin Katrin Altpeter geht von Tisch zu Tisch und redet mit den Erstwählern. Neben nicht ganz ernst gemeinten Wünschen wie „Nie wieder Schule“ oder niedrigeren Strafen für Schwarzfahrer haben die Jugendlichen auch ernstere Themen auf dem Herzen. Philipp, der ursprünglich aus dem Kreis Calw kommt, findet, dass Windkraftanlagen die Natur verschandeln. Außerdem findet er es nicht gut, dass Solaranlagen im Sommer abgeschaltet werden müssen, weil so viel Strom erzeugt wird, der gar nicht gespeichert werden kann. „Da muss man was machen“, stimmt Altpeter ihm zu. Ganz anders sieht das der 17-jährige Yannik. Er hat in der Schule von erneuerbaren Energien gehört und sich sofort für das Thema begeistert. „Keine Atomkraft“ hat er auf die Tischdecke vor sich geschrieben. „Ich finde, man muss die moderne Technik auch einsetzen.“

Ausbildung ist wichtiges Thema für die Jugendlichen


Mehr Ausbildungsgeld wünscht sich seine Nebensitzerin Christina. Die 21-Jährige ist im letzten Jahr ihrer Ausbildung zur Blumen- und Zierpflanzengärtnerin. Sie glaubt, dass man nur etwas bewegen kann, wenn sich auch die jungen Leute für ihre Bedürfnisse einsetzen. An einem anderen Tisch wird die Aufwertung von finanziell unattraktiven Ausbildungsberufen gefordert. Mehr Arbeitsplätze und bessere Ausbildungschancen an einem anderen.


Dass die Jugendlichen so rege diskutieren, freut auch Sonja Elser, Mitglied des Teams von Ministerin Altpeter. Sie hat den Abend im BBW mitorganisiert und ist begeistert, dass die Veranstaltung so gut angenommen wurde. Zu Beginn des Abends reichten die Stühle nicht aus. Mit so vielen Teilnehmern hatte niemand gerechnet. „Jugendlichen muss man eine Chance geben, sich zu äußern.“ Elsers Aufgabe in den kommenden Tagen wird es sein, die beschrifteten Tischdecken auszuwerten. „Es kann sein, dass wir daraus tatsächlich eine politische Forderung formulieren. Das kommt eben darauf an, was die Decken so hergeben“, erklärt sie. Viele politische Veranstaltungen hätten nur den Anspruch, dass am Ende etwas herauskommt, das vorher schon klar war. Beim „Worldcafé“, wie der Abend offiziell genannt wird, wisse man vorher nicht, was einen erwartet.


Über die Qualität der Fragen und Forderungen macht sie sich allerdings keine Sorgen. „Die stellen tolle Fragen. Auf die würde ein Erwachsener nie kommen“, sagt sie und lauscht gespannt der Diskussion zwischen Altpeter und einem der Jugendlichen. Er will wissen, warum man nicht einfach alle Nazis einsperrt, sondern sie immer noch Wände mit Hakenkreuzen beschmieren lässt. Warum es immer noch Leute gebe, die so etwas tun, verstehe sie nicht, reagiert Altpeter. „Komplett bescheuert“ seien die. Aber: „Du kommst nicht ins Gefängnis, nur weil du eine bestimmte Meinung vertrittst“, erklärt die Ministerin. Er nickt.


Derselbe junge Mann möchte auch wissen, warum man mit 16 schon wählen darf, aber sich erst mit 18 ein Tattoo stechen lassen darf. Ihm hat die alte Regelung besser gefallen. Erst wenn man erwachsen ist, darf man auch mitbestimmen. Davor dürfe man schließlich nicht mal über seinen eigenen Körper bestimmen.


Auch wenn die Jusos am Anfang des Abends ein Erklärvideo gezeigt haben, ganz sicher sind sich einige Erstwähler noch nicht, ob sie das mit den Kreuzchen und Ziffern am Wahltag auch wirklich hinbekommen. „Die Wahlbenachrichtigung habe ich überhaupt nicht verstanden. Warum wird die nicht einfach gleich in normalem Deutsch geschrieben?“ Altpeter bestätigt, da müsse man tatsächlich etwas dran ändern. Auch sie habe erst kürzlich versucht, jemandem den Wahlvorgang zu erklären. „Das war tatsächlich schwieriger, als es sein muss.“


„Und wie entscheide ich mich dafür, wen ich wählen soll? Ich kenn diese Leute ja alle gar nicht.“ Da führe leider kein Weg daran vorbei, sich vorher zu informieren. Altpeter rät den Jugendlichen, sich im Internet zu erkundigen. „Da muss man dann vergleichen: Was möchte ich bewegen und was wollen die bewegen?“ Wichtig sei, dass man überhaupt wählen geht. Denn sonst dürfen immer die anderen bestimmen.

 

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Alexander Bauer